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Q&A – Christian Hübner, Inhaber der schwäbischen Soßenmanufaktur Wilde Hilde
Wer sind Sie, und was machen Sie?
Ich bin Christian Hübner, Mitte 40, Gründer und Inhaber der schwäbischen Soßenmanufaktur. Seit knapp zehn Jahren entwickle und produziere ich prämierte schwäbische BBQ-Soßen, Ketchups, Chili- und Currywurstsoßen. Alles entsteht aus echter Kochleidenschaft heraus – nicht aus Marketingtrends, denn wir laufen keinen Trends hinterher, wir setzen Trends!
Was unterscheidet Ihre Soßen von vielen anderen am Markt?
Meine Produkte entstehen aus dem Kochen heraus, nicht aus dem Grillen als Selbstzweck. Geschmack, Balance und Wiedererkennbarkeit stehen im Mittelpunkt. Ich versuche nicht, lauter zu sein als andere, sondern ehrlicher und präziser. Meine Soßen sollen funktionieren – auf dem Teller, nicht im Video.
Wie würden Sie Ihre persönliche Leidenschaft beschreiben?
Kochen ist mein Handwerk, Musik mein Ausgleich. Ich sammle und höre seit den 80s Vinylschallplatten und habe mir nun endlich mein Traumsetup zum Schallplattenhören zusammengestellt und diesen Traum erfüllt, gehe regelmäßig auf Live-Konzerte, wie Peal Jam, die ich seit den 90s über zwanzig malin ganz Europa Live gesehen habe und lasse mich dort inspirieren. Dieses Jahr habe ich unter anderem Turnstile und Amyl and the Sniffers live in München gesehen. Diese Energie, diese Direktheit – das inspiriert mich findet sich auch in meinen Produkten wieder.

Wie stehen Sie zur klassischen BBQ-Szene und was essen Sie persönlich gerne?
Ich sehe mich bewusst nicht als Teil der stark inszenierten BBQ-Szene. Vieles wirkt dort sehr formelhaft und wiederholt sich seit Jahren. Für mich ist das Thema Grillen kulinarisch weitgehend erzählt. Mich interessiert mehr, was geschmacklich darüber hinausgeht – in der Küche, im Alltag, auf der Straße. Ich experimentiere seit Jahren an der perfekten Pizza und ich liebe Pasta in allen Variationen. Wenn ich Zeit und Muse habe, mach die die Pasta frisch aus Eiern und Semola selbst. Eine Basissoße aus getrockneten Tomaten, Dosen- und frischen Tomaten mit frischem Basilikum, etwas Knoblauch, Olivenöl und Parmesan ein Traum.
Wer ist Ihre Zielgruppe?
Meine Produkte richten sich an Menschen, die eigenständig denken, Qualität schätzen und keine Lust haben, jede kulinarische Entscheidung von Social-Media-Formaten vorgeben zu lassen.
Ich möchte eine Szene erreichen, die sich über Geschmack, Haltung und Substanz definiert – nicht über Selbstdarstellung oder Dauerbeschallung mit Trends.
Welche Rolle spielen Medien und Food-Influencer für Sie?
Ich setze auf Glaubwürdigkeit statt Reichweite. Wenn jemand meine Produkte empfiehlt, dann soll das aus echter Überzeugung passieren – idealerweise aus Erfahrung, Fachwissen und Leidenschaft fürs Essen. Deshalb haben Bewertungen aus fundierten Quellen für mich einen deutlich höheren Stellenwert. Die beste Bewertung ist die Weiterempfehlung an Freunde und Gleichgesinnte!
Was treibt Sie nach fast zehn Jahren noch an?
Der Anspruch, es jedes Mal ein bisschen besser zu machen. Neue Ideen, neue Rezepturen, neue Blickwinkel – ohne meine Linie zu verlieren. Ich mache das nicht, um jedem zu gefallen, sondern um die richtigen Menschen zu erreichen. Für 2026 habe ich meine Liebe für Chipotle Chilis eine tolle Idee, welche ich aktuell schon fertig im Kopf habe und Anfang 2026 umgesetzt wird.
Wie würden Sie Ihre Marke in einem Satz beschreiben?
Schwäbische Soßen für Menschen, die Geschmack ernst nehmen – und Trends gelassen ignorieren.
Anschließend habe ich noch folgende Fragen, die Sie unseren Lesern ehrlich, kurz und knackig beantworten können.
1. Der McRib kehrt regelmäßig zurück – Mythos oder kulinarische Bankrotterklärung?
Antwort:
Der McRib ist kein kulinarisches Produkt, sondern ein Marketing-Phänomen. Er funktioniert (außer in Deutschland, wo er immer erhältlich ist) über Verknappung und Nostalgie, nicht über Geschmack. Das ist clever gemacht, hat aber mit ernsthaftem Essen wenig zu tun. Dennoch liebe ich diesen Burger, da ich Kindheitserinnerungen damit verbinde und habe ihm mit dem Bestchup "Chipotle", bzw. der "BBQ Rib Soße" ein Dekmal gesetzt, so dass diesen Kult-Burger jeder mit gutem Gewissen zu Hause selber nachbauen und natürlich genießen kann.
2. Was fasziniert Menschen mehr: der Geschmack oder die Geschichte dahinter?
Antwort:
Kurzfristig die Geschichte, langfristig immer der Geschmack. Wenn ein Produkt nicht überzeugt, hilft auch die beste Story nicht. Umgekehrt trägt ein guter Geschmack jede Geschichte von selbst.
3. Döner ist eines der meistgegessenen Gerichte Deutschlands – warum wird er oft nicht ernst genommen?
Antwort:
Weil er zu alltäglich geworden ist. Joghurt Soßen nicht zu premium Fleisch passen. Döner ist hervorragend, wenn er gut gemacht ist, aber genau das wird selten thematisiert. Qualität verschwindet oft hinter Masse und Geschwindigkeit. Einen guten authentischen Döner finden Sie selten auf dem Land in einer Bude, die wenig Durchlauf hat, den besten Döner finden Sie in arabisch geprägten Ballungszentren, wo am Tag hunderte Portionen über den Tresen gereicht werden.
4. Gibt es ein Streetfood, das Sie respektieren, obwohl es industriell gedacht ist?
Antwort:
Ja, wenn es ehrlich bleibt. Ein Produkt darf einfach sein, solange es sauber produziert ist und nicht so tut, als wäre es etwas anderes, wie z.B. ein Burger, der totgesmashed wurde.
5. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Komfortessen und Beliebigkeit?
Antwort:
Komfortessen darf unkompliziert sein, Beliebigkeit entsteht, wenn Geschmack egal wird. Sobald nur noch Sättigung zählt, ist die Grenze überschritten.
6. Wann ist Food-Content für Sie Inspiration – und wann Zeitverschwendung?
Antwort:
Inspiration entsteht, wenn jemand etwas zu sagen hat und neue Wege geht. Zeitverschwendung ist es, wenn immer nur Superlative wiederholt werden, ohne Substanz oder Kontext. Es ist traurig und ein Abbild der aktuellen Zeit, dass Millionen Leute jemandem folgen und zusehen, der z.B. immer nur Döner testet und dann nicht mal fachmännisch bewerten und sich artikulieren kann, da schalte ich weg.
7. Hat Social Media das Essen besser gemacht oder nur lauter?
Antwort:
Definitiv lauter. Sichtbarkeit ersetzt heute oft Qualität. Das ist schade, aber auch eine Chance für Menschen, die bewusst anders arbeiten.
8. Warum funktionieren einfache Superlative so gut?
Antwort:
Weil sie keine Erklärung brauchen. „Der beste“ ist schneller konsumiert als eine ehrliche Auseinandersetzung mit Geschmack.
9. Was fehlt der heutigen Food-Blogger-Szene am meisten?
Antwort:
Haltung. Viele wollen gefallen, statt eine klare Meinung zu vertreten. Alle bekommen Geld für eine Bewertung, die dann positiv ausfallen muß!
10. Wird Authentizität eher behauptet als gelebt?
Antwort:
Sehr oft ja. Authentisch ist man nicht durch Selbstbezeichnung, sondern durch Konsequenz im Handeln.
11. Warum Vinylschallplatten als Hobby – Nostalgie oder bewusste Entscheidung?
Antwort:
Bewusste Entscheidung. Vinyl zwingt zur Entschleunigung. Man hört ein ganzes Album, nicht nebenbei Musik. Man schenkt den Künstlern dadurch den Respekt und setzt sich mit der Kunst im Ganzen auseinander und skippt nicht ständig zum nächsten Song.
12. Gibt es Parallelen zwischen Vinyl und Soßenproduktion?
Antwort:
Absolut. Beides braucht Muse und Zeit, Aufmerksamkeit und Respekt vor dem Künstler, den Zutaten. Abkürzungen funktionieren selten.
13. Welche Musik begleitet Sie beim Entwickeln neuer Rezepturen?
Antwort:
Kommt auf die Tageszeit an, morgens eher Jazz und chillige Musik, wie Massive Attack, oder Morcheeba, Abends zum Feierabendbier viel Stoner, Punk & Grunge. Musik mit Energie und Haltung – das beeinflusst auch meine Arbeitsweise.
14. Was gibt Ihnen ein Live-Konzert, das Streaming nicht kann?
Antwort:
Unmittelbarkeit. Ein Konzert ist ehrlich, laut, manchmal chaotisch – aber immer echt.
15. Hat Punk- und Hardcore-Kultur Ihre Haltung geprägt?
Antwort:
Ja. Mach dein Ding, bleib unabhängig und verkauf dich nicht für Applaus – das ist hängen geblieben. DIY.
16. Wie wichtig ist Abstand zur Arbeit?
Antwort:
Extrem wichtig. Ohne Abstand entsteht keine neue Idee, nur Wiederholung.
17. Gibt es Hobbys als bewussten Gegenpol?
Antwort:
Familie und Musik ist dieser Gegenpol. Sie hat nichts mit Performance oder Produkt zu tun.
18. Wo entstehen Ihre besten Ideen?
Antwort:
Meistens nicht in der Küche. Eher unterwegs, auf Konzerten, beim Musikhören, auf Messen, beim Kochen, oder ich lese in einem Kochbuch, oder sehen was im TV.
19. Wie gehen Sie mit Inspirationslosigkeit um?
Antwort:
Ich akzeptiere sie. Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Es gibt Zeiten, da sprudelt es nur so aus mir heraus, dann schreibe ich alles in mein Tagebuch, in Zeiten ohne Kreativität greife ich dann darauf zurück!
20. Was tun Sie bewusst nicht mehr?
Antwort:
Ich renne keinen Trends mehr hinterher. Das spart Zeit und Nerven. Ich mach mein Ding und bleibe unabhängig.
21. Wann wussten Sie: Das ist mehr als ein Hobby?
Antwort:
Als Menschen bereit waren, für meine Soßen Geld auszugeben und wiederzukommen.
22. Größter Fehler zu Beginn?
Antwort:
Zu viel auf andere zu hören und sich an "Trends" zu orientieren. Eigene Fehler bringen einen weiter.
23. Gab es prägende Gegenströmungen?
Antwort:
Ja, bewusst nicht Teil von Szenen zu sein, die mir nicht entsprechen, z.B diese BBQ Szene, ich finde da die Vegane Szene um ein Vielfaches kreativer.
24. Welche Erfahrung prägt Sie bis heute?
Antwort:
Dass Qualität Zeit braucht – und Geduld sich auszahlt.
25. Was hätten Sie Ihrem jüngeren Ich gesagt?
Antwort:
Bleib stur, aber lern zuzuhören und verbinde die Punkte aus allen Welten miteinander.
26. Was treibt Sie an, unabhängig von Anerkennung?
Antwort:
Meine Familie. Der Anspruch, etwas Eigenständiges zu schaffen. Wenn ich auf Messen von Stammkundinnen mit Handschlag , oder Umarmung begrüßt werde.
27. Wann ist ein Produkt „fertig“?
Antwort:
Wenn ich nichts mehr verbessern will – nicht, wenn es allen gefällt. Ich tüftle jeden Tag an bestehenden Soßen und verändere was. Keine Charge gleicht einer anderen. Ich verkoste immer alles selber bevor in Flaschen abgefüllt wird.
28. Was bedeutet Erfolg heute für Sie?
Antwort:
Unabhängigkeit und Kontinuität.
29. Was wollen Sie bewusst nicht erreichen?
Antwort:
Beliebigkeit durch Masse.
30. Was sollen Menschen über Ihre Soßen sagen?
Antwort:
Die haben Charakter – genau wie der, der sie gemacht hat.
